Beispielszenario 1: Das kleine, schwierige Team

Situation: Das vierköpfige Team ist erst kurz zusammen und grundsätzlich zur Zusammenarbeit gewillt, hat aber noch Startschwierigkeiten. Die Teilnehmer sind Individualisten und haben keine Führungserfahrung. Spieldauer 20-30 Minuten plus Moderation.

Startsituation: Zu Beginn des Coachings verliest der Trainer die Regeln und gibt jedem Teilnehmer seine eigene Vierviertel-Taktplatte und vier Rhythmussteine. Er erläutert die Verwendung des Spielmaterials und gibt Beispiele für zwei Körperklänge (z.B. auf den Tisch schlagen und Schnipsen). Seine Handlungsanweisung: Erst einmal zur Teamentwicklung einen gemeinsamen Rhythmus einüben und dann die Rhythmen variieren.

Mögliches Erstszenario: Die Teilnehmer sprechen sich ab und verstehen gemeinsam die Verwendung der Rhythmussteine. Das führungslose Team kann sich jedoch weder auf konkrete Körperklänge noch auf einen definierten Rhythmus einigen. Die Folge: Jeder probiert irgendwie mit seiner Taktplatte und seinen Rhythmussteinen herum. Es entsteht eine gewisse Frustration, aber kein gemeinsamer Rhythmus.

Mögliche Intervention: Der Trainer greift ein und erklärt, dass die Aufgabe ja sei, ein Produkt zu erzeugen, wenn auch hier im musikalischen Sinne: „Da draußen sind Kunden, die bereit sind, für dieses Produkt zu zahlen. Aber dazu muss das natürlich auch präsentationsfähig sein. Wo kommt Ihnen das aus Ihrem Arbeitsgebiet bekannt vor? Neues Team, neue Technologien, und doch müssen Sie gemeinsam etwas produzieren, das sich verkaufen lässt. Wie gehen Sie im Alltag mit der Situation um?“

Eine Möglichkeit ist nun, sich auf einen Grundrhythmus zu einigen und sich gemeinsam einzuarbeiten. Der erste Schritt zur Lösung des Problems könnte sein, erst einmal nur einen Rhythmus in einer gemeinsamen Taktplatte zu legen. Dann könnte das Team einem Spieler die Drumsticks und damit die Führungsrolle geben und nach dessen vorgegebenem Tempo den Grundtakt gemeinsam und mit dem gleichen Körperklängen spielen.

Mögliches Folgeszenario: Langsam wird das Team sicherer. So sicher, dass sich die Teilnehmer darauf ausruhen und diesen einen Takt als das Endresultat sehen: „Klingt doch schön und ist sehr stabil.“ Erwartungsvolle Gesichter – war das schon alles!?

Mögliche Folgeintervention: Der Trainer gibt positives Feedback zu dem Ergebnis. Stabil ist es jetzt. Aber schauen wir uns die Aufgabe noch einmal genau an: Das Produkt sollte stabil UND komplex sein. Wir haben zwar die eine Hälfte der Aufgabe erfüllt. Aber kaufen wir das kaum einer, denn das Produkt ist nicht wirklich innovativ. Vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Empfehlung: „Nehmen Sie doch eine zweite Taktplatte dazu und teilen Sie sich erst einmal in zwei Zweierteams, die je einen Rhythmus einbringen. Vielfalt kann nur entstehen, wenn verschiedene Dinge zusammen kommen und dabei gut harmonieren. Probieren Sie es aus.“

Möglicher weiterer Ablauf: Die Teilnehmer teilen sich erfolgreich zunächst in zwei Zweierteams. Verschiedene Rhythmen werden ausprobiert. Als das klappt, übernimmt jeder Einzelne eine Aufgabe. Der Trainer kann weitere Taktplatten zur Verfügung stellen und damit einen zweiten Grundrhythmus einbringen (Kombination aus 3/4 und 4/4 Takt). Schon entstehen erste verschobene Polyrhythmen, ohne dass sich die Spieler der technischen Raffinesse theoretisch bewusst sind. Am Ende steht ein komplexer Rhythmus im Raum, der jenseits aller Erwartung liegt...

Der Trainer nutzt Abmoderation und Schlussrunde, um die Transferleistung von dieser erfahrungsorientierten Spielumgebung in die reale Unternehmenssituation zu sichern.